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Peter Candid (Candido)

München 1628


Peter Candid wird um 1548 in Brügge geboren und kommt bereits als Kind im Jahr 1558 nach Florenz. Sein Vater, ein Teppichwirker namens Pieter de Witte, arbeitet an der dortigen Wandteppichmanufaktur. Die Familie nennt sich nun Candido und der junge Maler entscheidet sich für den Namen Pietro di Pietro Candido, diese italienische Namensgebung bevorzugt er Zeit seines Lebens. Die Ausbildung Candids findet wohl um 1560 in Florenz statt, seine Lehrer sind allerdings nicht bekannt. Im Jahr 1569 wird Peter Candid erstmals urkundlich erwähnt in Zusammenhang mit einem Fresko in der Capp. di S. Luca, dem Begräbnisort der Florentiner Accademia del Disegno.
Im Jahr 1576 ist Candid nachweisbares Mitglied dieser Akademie; einige Jahre später, 1583, wird Candid nach der Rückkehr von einem einjährigen Romaufenthalt zum "Accademico" ernannt. Carel van Mander, der den Maler Candid im Jahr 1574 in Florenz kennenlernt, bezeichnet ihn als guten Meister der Fresko- und Ölmalerei, der auch in Ton modellieren könne. Dieser überliefert die Beteiligung Candids an Giorgio Vasaris Ausmalung der Sala Regia im Vatikan, der Florentiner Domkuppel und der Anfertigung von Teppichentwürfen für die Medici.
Peter Candids sonst nicht belegbaren Arbeiten müssen folglich vor dem Jahr 1574 entstanden sein. Zu Beginn seines Schaffens ist Candids Stil weniger von Vasari als von Malern in der Art Bronzinos und Alessandro Alloris beeinflusst, um 1580 erfolgt eine Rückbesinnung auf die Hochrenaissance. Vor allem bei seinen späteren Teppichentwürfen sowie in seiner Zeichenweise spürt man deutlich einen niederländischen Einschlag.
Peter Candid wird im Jahr 1586 auf Empfehlung von Giovanni Bologna von Herzog Wilhelm V. von Bayern nach München berufen, wo er bald zur führenden Künstlerpersönlichkeit am Hof aufsteigt. Es entstehen vorerst Altarbilder, u.a. für St. Michael. Unter Herzog Maximilian I. erhält der Künstler Candid ein größeres Betätigungsfeld: ab dem Jahr 1604 ist Peter Candid verantwortlich für den Entwurf und die Herstellung von vier bedeutenden Wandteppichserien.
Seit dem Jahr 1612 leitet er die malerische Ausstattung der herzöglichen Residenz München und des Alten Schlosses in Schleißheim. Vier Jahre später entwirft Candid Gemälde für den Goldenen Saal des Augsburger Rathauses. Auf Grund seiner künstlerischen Vielfalt wird Peter Candid von Joachim von Sandrart als "Universalmaler" bezeichnet. Neben der im Manierismus beliebten Feinmalerei in Bildern auf Kupfer malt der Künstler Landschaften und Porträts und widmet sich weiterhin dem Altarbild.
Peter Candids Kompositionen, vor allem seine Verkündigungsdarstellungen finden viele Nachfolge, wozu auch die Reproduktion seiner Gemälde im Stich beiträgt. Den Höhepunkt in Candids letzter Phase des Schaffens bildet 1620 die Haupttafel "Himmelfahrt Mariä" des ehemaligen Hochaltars der Münchner Frauenkirche, mit deren Gestaltung er den Übergang zur frühbarocken Phase vollzieht.
Im März 1628 verstirbt Peter Candid in München; etwa 130 Gesamtentwürfe und Detailstudien für Gemälde, Wandteppiche und Druckgrafik sind der Nachwelt erhalten geblieben.